Braunschweiger Zeitung vom 28.04.2020

Museums-Pause ? In Königslutter führt sie zu einer Entdeckung

Königslutter. Trotz Schließung wird im Museum Mechanischer Musikinstrumente Königslutter emsig gearbeitet. Dabei kommen Schätze zum Vorschein.

Von Sebahat Arifi

Museumsleiterin Britta Edelmann mit dem neu wiederentdeckten Plattenspielwerk.
Museumsleiterin Britta Edelmann mit dem neu wiederentdeckten Plattenspielwerk.Foto: Privat / MMM

Die Türen sind auch im Museum Mechanischer Musikinstrumente (MMM) seit Wochen für das Publikum geschlossen. Was keineswegs bedeutet, dass es dahinter ruhig ist. „Im Gegenteil“, betont Museumsleiterin Britta Edelmann. „Jetzt haben wir Gelegenheit, Museumsarbeit zu machen, die sonst in den Hintergrund gerät, nämlich zu forschen und zu bewahren.“ Und diese Arbeiten förderten tatsächlich einen neuen Schatz zu Tage – der eigentlich schon die ganze Zeit zu betrachten war.

Ein geschlossenes Museum bedeutet natürlich Einnahmeverluste. Doch um das Fortbestehen der Einrichtung im Schatten des Kaiserdoms macht sich die Museums­leiterin derzeit keine Sorgen. Da komme der Vorteil ins Spiel, dass es sich beim MMM um eine kommunale Einrichtung handelt. Auch an den aufgeflammten Öffnungsdebatten will sich Edelmann nicht beteiligen.

„Wir machen uns natürlich Gedanken, wie ein Betrieb möglich wäre. Das kann auf unserem kleinen Raum nur sehr eingeschränkt sein. Dazu gehört auch die Frage, wie ich meine Mitarbeiterinnen schütze. Und am Ende: Ich möchte Besucher haben, die sich gut fühlen und gerne kommen. Was nützt es zu öffnen, wenn niemand kommt ?“, fragt Edelmann.

Den erzwungenen Stillstand nutzen sie und ihr Team mit Gilda Wolke und Annette Uhde dennoch ganz intensiv. Seit der Eröffnung im Juli 2005 habe es keine Gelegenheit mehr gegeben, sich den Bestand detailliert anzusehen. Auch wurden erstmals seither die Vitrinen geöffnet – „wir haben darin kaum Staub vorgefunden“, freut sich Edelmann über die damals zwar teure, aber wie sich zeige lohnende Investition.

In den ersten drei Wochen der jetzigen Schließung widmeten sie sich ausschließlich der Aktualisierung des Inventarbuchs: Waren noch alle Instrumente gekennzeichnet ? Was ist dazu gekommen ? Welche Instrumente wurden in der Zwischenzeit restauriert ?

Anfangs hatte das Team noch Unterstützung von Praktikantin Anna Dziatzka, die zusammen mit Britta Edelmann eine besondere Entdeckung machte. „Auf der Suche nach der Nummer kletterte sie hinter ein Plattenspielwerk. Dabei entdeckten wir, dass es statt mit einem Federwerk mit einem Gewicht betrieben wird – und damit älter ist, als die anderen, die wir stehen haben“, berichtet die Museumsleiterin.

Es handele sich um ein Plattenspielwerk „Lochmann’ Original“, etwa aus dem Jahr 1890. Ein neu anmutendes Gerät, aber noch mit alter Technik. So sind noch Schlaginstrumente eingebaut. Nur mit ein paar Tropfen Öl brachten sie das Gerät wieder zum Laufen. „Nicht schön, aber es spielt“, lautet Edelmanns Urteil.

Dass es bisher nicht zum Einsatz gekommen ist, liege daran, dass das Museum über vier bis fünf gut funktionierende Plattenspielwerke verfüge. Nur keines ist so alt, wie das jetzt wiederentdeckte, da bestehe noch echter Forschungsbedarf.

Über solche „Neuentdeckungen“ freut sich Edelmann und will darüber berichten. Auf der Internetseite des Museums – www.museen-koenigslutter.de – will sie dreimal pro Woche über Neuigkeiten schreiben, einen Blick hinter die Kulissen geben oder einzelne Instrumente vorstellen. So könnten Besuche virtuell stattfinden.

Die Museumsleiterin freue sich, dass das Inventarbuch jetzt auf dem neuesten Stand ist. Nun könne die Erstellung eines digitalen in Angriff genommen werden. Außerdem erarbeitet sie gerade neue Konzeptführungen. Und wer doch mal etwas hören möchte, kann am Museum vorbeigehen: Damit die alten Instrumente nicht einrosten, müssen sie dreimal in der Woche gespielt werden. Die Klänge dringen bis nach draußen.

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