Braunschweiger Zeitung vom 26.03.2018

Warum Wagner bei der Drehorgel hängt

Bei der Sonderausstellung „Mozart im Museum“ gilt es, elf Komponistenportraits im MMM in Königslutter für sich zu entdecken.

Von Sebahat Arifi

Museumsleiterin Britta Edelmann am Portrait von Niccolo Paganini
Museumsleiterin Britta Edelmann am Portrait von Niccolo Paganini, dem Boygroup-Vertreter seiner Zeit, wie sie sagt.
Was hat Richard Wagner eigentlich mit Drehorgeln zu tun?
Was hat Richard Wagner eigentlich mit Drehorgeln zu tun?

Die neue Sonderausstellung im Museum Mechanischer Musikinstrumente (MMM) in Königslutter müssen sich Besucher ein wenig erarbeiten. Bisweilen erst beim zweiten Blick offenbaren sich während des Rundgangs durch die Dauerausstellung die Portraits berühmter Komponisten. Zum Beispiel das eines eher skeptisch dreinblickenden Giuseppe Verdi oder das eines keck wirkenden Antonio Vivaldi.

Bewusst würden die Gemälde des Künstlers Yuri Solovei nicht im Sinne einer Galerie präsentiert, erläuterte Museumsleiterin Britta Edelmann während eines Besuchs. Die Idee sei gewesen, sie thematisch passend zu und zwischen den Instrumenten zu arrangieren. Edelmann verdeutlicht es anhand der Gemälde von Mozart und Händel. Sie hängen über den ausgestellten Spieluhren, denn: „Mozart hat für Spieluhren geschrieben.“

Beide Komponisten dürften natürlich nicht in der Ausstellung fehlen, die durch einen „großen Glücksfall“ zustande gekommen sei. Gemalt hat die ausdrucksstarken Portraits der Künstler Yuri Solovei. Zustande gekommen sei der Kontakt dadurch, dass das Ehepaar Solovei privat an einer Führung im MMM teilgenommen und Britta Edelmann daraufhin angesprochen hätte. „Ihnen hat die Ausstellung der Instrumente gut gefallen, und so sind wir ins Gespräch gekommen.“

Yuri Solovei ist ein in der Ukraine geborener, freischaffender Künstler, der unter anderem schon in Frankreich, Israel und den USA ausgestellt hat. Sein Werk reicht von Grafiken, über Plastiken hin zu Ölportraits. Und bis nach Königslutter hat Solovei es nicht weit, denn seit 2013 lebt und arbeitet er in Hötensleben.

Insgesamt elf Portraits hängen im MMM. Besonders gefalle Edelmann der Zugang zu den Komponisten. „Es sind Interpretationen von bekannten Zeichnungen oder Fotografien“, erläuterte sie. Aber eben mit einem gewissen Twist. So leuchten die Haare Niccolo Paganinis in blau, was die Auffälligkeit seiner Person unterstreicht: „Er wurde ja zu seiner Zeit so verehrt wie heutzutage ein Boygroup-Mitglied“, erzählt Edelmann eine Anekdote. Sehr gefalle ihr die zu Richard Wagner.

Fast ein bisschen versteckt hängt sein Abbild neben der großen Drehorgel – dessen Musik er gehasst habe. Es gebe die Geschichte, dass täglich ein Drehorgelspieler vor seinem Haus gespielt habe. Nachdem Wagner ihn beschimpft und verwünscht habe mit den Worten, das sei doch keine Musik, habe sich der Drehorgelspieler am nächsten Tag wieder vor dessen Haus aufgebaut – diesmal mit dem Schild: Schüler von Richard Wagner. „Ist doch klar, dass er bei der Drehorgel hängen muss“, sagt Edelmann lachend.

Ihr selbst gefalle das Gemälde von Wagners Schwiegervater sehr gut: Es ist ein Altersportrait von Franz Liszt, eine eher seltenere Darstellung des Komponisten.

DIE AUSSTELLUNG

Bis zum 24. Juni ist die Sonderausstellung „Mozart im Museum“ im MMM zu sehen. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Sonderführungen durch die Ausstellung finden an Karfreitag, 30. März, sowie am Dienstag, 1. Mai, und am Himmelfahrtstag, 10. Mai, jeweils um 15 Uhr statt.

Kontakt: (05353) 918464 oder per E-Mail an: museum@koenigslutter.de

Zur Startseite